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Eine Gruppe von Fahrradfahrern fährt im Sonnenschein entlang eines Getreidefeldes.

Biologische Stationen Rheinland

LVR-Forum Naturschutz und Kulturlandschaft im Rheinland 2019

Der Landschaftsverband Rheinland und die Biologischen Stationen im Rheinland laden Sie herzlich zum nächsten Forum „Naturschutz und Kulturlandschaft im Rheinland“ ein.

Übersicht der Vorträge vom 10. April 2019

1. Der Wolf kehrt zurück - Was das Rheinland von den Erfahrungen aus Brandenburg lernen kann

Referentin: Carina Vogel, Landesamt für Umwelt Brandenburg

Der Wolf zählt zu den natürlichen Landlebewesen in mittel- und nordeuropäischen Wäldern. Nachdem er in Deutschland vollständig ausgerottet war, kehren 1990 zunächst Einzeltiere nach Brandenburg und Sachsen zurück. Seitdem steht der Wolf unter Naturschutz. In Nordrhein-Westfalen ist der erste resistente Einzelwolf 2018 gesichtet worden. Heute gibt es bundesweit 73 Rudel.

Das Landesamt für Umwelt in Brandenburg vertritt die Meinung, dass Wölfe geschützt werden können, wenn ein systematisches Monitoring durchgeführt wird. Die wissenschaftlich fundierten Daten aus dem Monitoring werden alle sechs Jahre an die Europäische Union übergeben.

Wölfe erbeuten überwiegend Rotwild, Dammwild und kleine Säugetiere. Darüber hinaus gehören Schafe und Ziegen zu ihrem Beuteschema. Als Prävention vor Schutz des Wolfes werden Elektrozäune mit aufgesetztem Flatterband, das Eingraben der Zäune in den Boden und eventuell Herdenschutzhunde empfohlen.

2. Der Kalikokrebs in Düssel und Rhein – eine neue Gefahr nicht nur für heimische Flusskrebse

Referent: Dr. Harald Groß, Edelkrebsprojekt NRW

Ursprünglich waren fast in allen natürlichen Gewässern Mitteleuropas heimische Flusskrebse zu finden. Heute leben neben den beiden heimischen Arten Edel- und Steinkrebs, die vom Aussterben bedroht sind, sechs nicht heimische Flusskrebse in NRW. Fünf dieser Flusskrebsarten stammen aus Nordamerika, gelten als invasiv und übertragen die Krebspest. Diese aus Amerika stammende Flusskrebskrankheit ist maßgeblich für den extremen Rückgang der heimischen Arten verantwortlich. Alle Gewässer, in denen die invasiven Arten vorkommen, sind als Lebensraum für die heimischen Flusskrebse verloren.

Mit dem Kalikokrebs, der 2018 zum ersten Mal in NRW nachgewiesen wurde, ist eine neue Bedrohung für die heimischen Flusskrebse, aber besonders für die Lebensgemeinschaften von Auengewässern auch in NRW entstanden. Im Gegensatz zu den bisherigen Arten, die durch den Menschen verbreitet wurden und werden, breitet sich der Kalikokrebs selbstständig über den Rhein aus. Um Auengewässer zu erreichen, nutzt er Hochwasserereignisse und läuft auch über Land.

Haben sich Kalikokrebse einmal in einem Auengewässer etabliert, kann es beim Fehlen von Fressfeinden, wie Fischen zu einer explosionsartigen Vermehrung kommen, die gleichzeitig zu einem extremen Rückgang von Pflanzen und Tieren führt. Am Ende einer solchen Entwicklung besteht die Lebensgemeinschaft fast ausschließlich aus Kalikokrebsen, die alle sich bietenden Nahrungsquellen (z.B. Amphibienlaich, Falllaub) ausnutzen.

Maßnahmen gegen den Kalikokrebs sind schwierig bzw. bisher kaum entwickelt. Neben dem Verhindern einer weiteren Ausbreitung kommt eine Reduzierung des Bestandes durch Fang in Betracht, die aber auf Grund der hohen Vermehrungsrate sehr arbeitsaufwendig ist. Durch das Einbringen von Kies oder Sand kann ein Graben von Höhlen unterbunden und damit die dichte der Kalikokrebse eine Zeit lang reduziert werden. Auch ein Verfüllen mit Erde ist zumindest bei kleineren Stillgewässern eine Möglichkeit zur vollkommenen Beseitigung von Kalikokrebsen. Der Einsatz von Gift könnte zumindest in Gewässern, in denen fast nur noch Kalikokrebse leben, diskutiert werden.

3. Zeugen der Landschaftsgeschichte - Interdisziplinäre Spurensuche zum Landschaftsnutzungswandel im Projektgebiet von Stadt Land Fluss 2019: dem Siebengebirge

Referentin: Dr. Christiane Lamberty, Siebengebirgsmuseum Königswinter

In der interdisziplinären Spurensuche zum Landschaftsnutzungswandel im Siebengebirge wurden drei Untersuchungsgebiete bestimmt. Dazu gehört Oberdollendorf, die Wolkenburg und das Tal dazwischen. Durch die Recherche in Archiven, die Betrachtung von historischen Fotos und Altkarten wurde der Nutzungswandel von Weinbau zu Streuobstwiesen rekonstruiert. Auf Kulturlandschaftswandelkarten wird dieser Übergang visuell verdeutlicht. Der Obstbau wurde vor allem für den Eigenbedarf genutzt, kleine Krautfabriken und historische Aufnahmen von Fässern und Karren deuten aber auf den Verkauf der Waren. Im Jahr 1929 bis 1934 wurde ein Wirtschaftsweg, als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sowie für die Wirtschaftsförderung angelegt.

Lassen Sie sich bei der dreiwöchigen Veranstaltung Stadt Land Fluss im September 2019 in die Geschichte des Siebengebirges verführen und erfahren Sie unter anderem, wann und warum welcher Wandel stattgefunden hat (hier wird u.a. der oben beschriebene Wirtschaftsweg aufgesucht).

4. Ein Leben mit Nutria und Bisam in Naturschutzgebieten? - Beobachtungen aus der Praxis

Referent: Dr. Ansgar Reichmann, Biologische Station Krickenbecker Seen

Rund um die Krickenbecker Seen hat sich neben dem Biber auch der Nutria aus Südamerika und der Bisam aus Nordamerika angesiedelt. Beide dienten der Pelzproduktion. Als invasive Arten sind sie kein Bestandteil des natürlichen Ökosystems der Krickenbecker Seen. Mit ihrem Fress-, Fortpflanzungs- und Bauverhalten sorgen sie für eine Änderung des charakteristischen Landschaftsbildes. Als Nahrung bevorzugen sie ufernahe Pflanzen sowie Wasserpflanzen. Als Folge erodieren die Niedermoorböden und die natürliche Vegetationsfolge von Segge, Schilf und Niederbruchwald gerät ins Wanken. Es stellt sich die Frage, wie mit dem Vorhandensein von Nutria und Bisam umgegangen wird.


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